# Wie es weiter ging!

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- Published: 2016-05-10T03:48:21+00:00
- Author: Hakan Erdagi

Wo waren wir geblieben? Ja klar, die Ankunft am Flughafen Atatürk in Istanbul. Nun
ja, das erste was ich am Flughafen gemacht habe, waren die Anrufe zu meinen Eltern,
den Eltern von Nese und der Anruf zu Nese selbst. Ich erzählte ihr, dass ich in 
Istanbul bin und auf dem Weg zu ihr. Sie wirkte am Telefon sehr verwirrt und legte
hastig wieder auf. Mit dem Taxi ging es auf den Weg zum Istanbuler Stadtteil Ümraniye.
Dort angekommen kaufte ich einen Strauß roter Rosen und wartete, wie zuvor telefonisch
mit Nese abgesprochen, samt meiner Koffer vor der Polizeiwache auf sie. So gegen
20 Uhr, nach elf Stunden Reisezeit – es war die Dämmerung schon hereingebrochen –
kam Nese mit Ihrer besten Freundin in hochhackigen schwarzen Schuhen, den Bürgersteig
gegenüber der Polizeiwache entlang, zu mir rüber stolziert. Das hat sie in Zusammenarbeit
mit ihrer besten Freundin eingeübt, dachte ich mir nur. Sie war bekleidet mit einem
schwarzen Hosenanzug und einem weißen Hemd. Ihre Haare waren schulterlang und zu
einem Zopf gebunden. Sie war merklich nervös. Ich fragte sie was sie geplant hat.
Sie sagte, dass sie gerne in Gegenwart ihrer Freundin mit mir zusammen etwas trinken
gehen wolle. Der ausgesuchte Ort war sehr romantisch. Auf dem Camlica Hügel in einem
Yörük Cadir, einem nachgeahmten Nomadenzelt mit traditioneller türkischer Livemusik.
Nese und ihre Freundin aßen Gözleme, wir tranken türkischen Tee und sprachen über
alltägliche Dinge. Nese war eine weltoffene, emanzipierte junge Frau, die mit beiden
Füßen fest auf dem Boden stand. Das gefiel mir sehr an ihr, genau wie ihr süßes 
verschämtes Lächeln. Kurz nach 23 Uhr war es dann soweit, wir zahlten und machten
uns auf den Weg zum Elternhaus von Nese. Meine Schwiegereltern waren ja schon eingeweiht.
Inzwischen war ich auch schon so nervös, dass ich keinen Hunger verspürte, obwohl
ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte, dennoch kam ich der Einladung der Eltern
nach, etwas zu Abend zu essen. Nach und nach gesellten sich die drei Brüder zum 
Abendessen. Halil, Ibrahim und Ali, wobei Ibrahim der einzige verheiratete Bruder
war und deshalb nicht lange Kontakt zu mir hatte. Nach einem unterhaltsamen Essen
bin ich mit Halil ins Gespräch gekommen, während er im hinteren Schlafzimmer rauchen
wollte. Wir haben über Deutschland gesprochen, über die Beziehung zu der gemeinsamen
Verwandten, die mir Nese empfohlen hat, wie ich auf die Idee komme genau dort Urlaub
zu machen und was ich beruflich so mache. Dazu muss ich sagen, ich dachte den Grund
meines Besuches kennt jeder aus der Familie, das war dem aber anscheinend nicht 
so. Wir gingen anschließend schlafen und Nese hat natürlich traditionell im Wohnzimmer
bei ihren Brüdern geschlafen, wobei ich ganz allein im riesigen hinteren Schlafzimmer
untergebracht war, wo normalerweise die Mädchen schlafen.

 

Der nächste Morgen sollte mein gesamtes Leben umkrempeln.
